Sie sehen die neuesten 12 Kommentare
Nach unten
Durch Anklicken des Themas gelangen Sie zu den jeweiligen Kommentaren.
Theodor Ickler zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 13.04.2026 um 17.04 Uhr verfaßt.
|
Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#57033
Jetzt glauben auch - von Jan FLeischhauer angestachelt - die WELT-Leser darüber empören zu sollen, daß an Berliner Gymnasien Goethe und Schiller in vereinfachter Sprache gelesen werden (und natürlich das Dividieren nicht mehr gelernt wird, das hatten wir schon).
„Wer glaubt denn , daß sich die Kinder von eingewanderten Türken oder Araber um Deutsche Historie oder Klassiker interessieren ? Es zeigt sich an allen Ecken, in der Lebenswirklichkeit der überall existierenden orientalisch - islamischen Parallelgesellschaften , ebenso an Schulen , daß man sich hier mehr nach der ´islamischen Geschichte´ , der islamisch dominierten Gesellschaftsordnung des mittelalterlichen Korans richtet als nach ´Goethe und Schiller´ ...was nur einmal mehr zeigt ; Integration ? Fehlanzeige“ Usw.
Ich würde die Leserbriefschreiber gern mal nach ihrer Kenntnis der deutschen Klassiker fragen. Aber dazu kommt es nie, darum können sie – natürlich anonym - kräftig schimpfen. Goethe und Schiller bedeuten dem durchschnittlich allgemeingebildeten Biodeutschen von heute praktisch nichts, er kennt sich nicht. Es erinnert an die guten Leute, die selbst so gut wie nichts vom Lateinunterricht behalten haben (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528), mit dessen Streichung aber den Untergang des Abendlandes kommen sehen. Der Anfang der Bildung wäre, die Zeitgebundenheit des Bildungsbegriffs einzusehen. Die „Klassiker“ von gestern sind es heute nicht mehr, und die Zeit für „Klassiker“ und einen „Kanon“ ist vielleicht überhaupt vorbei. Auch Religionen kommen und gehen ja (unvorstellbar für ihre jeweiligen Anhänger, aber unleugbar der Lauf der Welt).
|
Theodor Ickler zu »Unsichere Flexion«
Dieser Kommentar wurde am 13.04.2026 um 08.52 Uhr verfaßt.
|
Fidesz-Plakate werden von den Laternen gerissen und unter Johlen davongeschliffen. (FAZ 13.4.26)
|
Theodor Ickler zu »Versprecher«
Dieser Kommentar wurde am 12.04.2026 um 06.53 Uhr verfaßt.
|
Der IQ ist nichts, was sich von heute auf morgen ändert. Wenn Trumps eifrigste Anhänger und Vertraute sich von ihm abwenden und er sie plötzlich als extreme Dummköpfe durchschaut, dann müssen sie das auch vorher schon gewesen sein. Das scheint er nicht bedacht zu haben.
|
Theodor Ickler zu »Sprachfunktionen«
Dieser Kommentar wurde am 12.04.2026 um 03.51 Uhr verfaßt.
|
In meinen Aufzeichnungen zum kindlichen Spracherwerb habe ich zwar die Guckguck-Spiele verzeichnet, auf die zum Beispiel Piaget und Bruner mit Recht so großen Wert legen, aber nicht das Datum des ersten Auftretens. Das ist, wie ich meine, der neunte Monat, also schon sehr früh. Die Enkelin (0;8) zieht sich das Tuch vom Kopf und freut sich am Wiedersehen, versucht auch, sich das Tuch selbst wieder über den Kopf zu legen, aber das schafft sie noch nicht. Sie versucht auch, dem Onkel die Sonnenbrille wiederaufzusetzen, die sie ihm abgezogen hat, natürlich vergeblich. Sie lacht, wenn eine vertraute Person sich eine Mütze aufsetzt. Es scheint um die Erleichterung zu gehen, die mit dem Wiedersehen/Wiedererkennen trotz widriger Umstände einhergeht.
|
Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 12.04.2026 um 03.15 Uhr verfaßt.
|
"Kriege" zwischen Affenbanden hat bekanntlich schon Jane Goodall beobachtet. Volker Sommer referiert ihre Arbeit in seinem Prachtband "Die Affen" (1989) und gibt im letzten Teil auch Frans de Waals anthropomorphisierende Darstellung wieder, obwohl er sich der Gefahren bewußt ist, die mit der Verwendung von Begriffen wie "Rache" usw. verbunden sind.
Eher als von den Schimpansen können wir etwas über Krieg lernen, wenn wir die menschliche Geschichte studieren, also etwa "Afghanistan und Europa" oder "Trump und Iran".
|
Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 11.04.2026 um 18.34 Uhr verfaßt.
|
Natürlich war es nur ein Nebensatz, aber wie Sie mit Recht andeuten, ist es die Botschaft, die er Tag für Tag ohne Ironie verkündet. Ein tolles Stück auch der "Arc de Trump", wie man das geplante Monument nennt.
Was war noch mal das Kriegsziel? Die Straße von Hormus war ja frei, bevor er den Krieg begann. Die Idee, sie mautpflichtig zu machen und die Einkünfte mit dem Iran zu teilen, ist auch recht charmant.
|
Manfred Riemer zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 11.04.2026 um 12.19 Uhr verfaßt.
|
Wenn der Mond ein Bewußtsein hätte und denken könnte, wäre zunächst die Frage, was er dazu eigentlich noch weiß. Hat er nur die reine Vernunft, oder besitzt er darüber hinaus Sinnesorgane, die ihm eine Erfahrung über die Welt ermöglichen. Einstein hat für sein Gedankenspiel sicherlich letzteres angenommen. Der Mond würde also seine Bewegung und die der anderen Himmelskörper beobachten können, die Sonnenwärme spüren, die Bewegung der Erdbewohner sehen. Manchmal, wenn sie ihn besuchen, sogar aus der Nähe. Er könnte zwar in Ermangelung von Gliedmaßen keine eigenen praktischen Experimente anstellen, aber durch die Beobachtung würde ihm bald klar, daß er ohne Gliedmaßen oder andere Fortbewegungsorgane seine Richtung nicht ändern kann, daß er gar nichts tun kann außer beobachten und denken. Vielleicht könnte er sich an ein kosmisches Ereignis erinnern, das ihn ohne seinen Willen von der Erde losgerissen und auf diese feste Bahn gebracht hat. Wenn er intelligent genug ist, würde er sogar die Keplerschen Gesetze selbst entdecken. Er würde aber, selbst wenn er keine Erinnerung an seine Entstehung hätte, nicht glauben, daß er aus eigenem Entschluß und eigener Kraft in seine Bahn gekommen ist. Er wüßte, daß er dazu gar keine Möglichkeit hatte. So hätte er vielleicht, wie die Menschen, die er beobachtet, einen Willen bzw. Wünsche, könnte sie aber nicht aktiv beeinflussen. Er müßte sich in sein Schicksal fügen.
|
Wolfram Metz zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 11.04.2026 um 09.41 Uhr verfaßt.
|
Fairerweise muß man sagen, daß Trump diesen Spruch nicht so gebracht hat, wie man sich das bei ihm vorstellt, wenn man davon liest. Er kündigt an, daß er in der Rede zur Lage der Nation im wesentlichen erzählen wird, wie toll er ist. Das Publikum lacht, er zwinkert mit dem rechten Auge und fährt fort: »But seriously ...«. Dann folgt allerdings das gleiche Eigenlob, nur etwas anders ausgedrückt.
Angesichts seiner maßlosen Selbstüberschätzung habe ich mich gefragt, ob Trump zu echter Selbstironie überhaupt fähig ist. Ich erinnere mich an mehrere Szenen, in denen so etwas wie Humor bei ihm aufblitzt. Es wirkt auf mich aber immer ein bißchen wie unverstanden nachgeahmt, so, wie wenn jemand einen Text in einer Sprache, die er nicht versteht, phonetisch vorträgt. Selbstironie setzt nach meinem Verständnis den Gedanken voraus, daß die Kritik anderer am eigenen Verhalten wenigstens zu einem winzigen Teil gerechtfertigt sein könnte. Einen solchen Gedanken traue ich ihm eigentlich nicht zu.
|
Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 11.04.2026 um 05.33 Uhr verfaßt.
|
How great Thou art (Gospel)
How great I am (Trump, wörtlich)
|
Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 11.04.2026 um 04.46 Uhr verfaßt.
|
In einem anderen Zusammenhang hatte ich schon zitiert:
„Wäre der Mond auf seinem ewigen Kreislauf um die Erde mit Bewußtsein begabt, so wäre er fest davon überzeugt, er ziehe seine Bahn auf eigene Faust, auf der Grundlage einer Entscheidung, die er irgendwann ein für allemal getroffen habe. Ein Wesen, begabt mit tieferer Einsicht und höherer Intelligenz als wir, das die Menschen und ihr Tun beobachtete, würde lächeln über ihre Illusion, sie handelten im Einklang mit ihrem eigenen freien Willen.“ (Albert Einstein: „About free will“, in: Ramananda Chatterjee, Hg.: The Golden Book of Tagore. Calcutta 1931:77)
(Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1587#48750)
Wenn man dies ein Gedankenexperiment nennen will, zeigt sich daran die Problematik von Gedankenexperimenten überhaupt: Die gedachte Welt wäre so verschieden von der uns vertrauten, daß wir nicht wüßten, ob darin Gedankenexperimente überhaupt noch möglich wären. Um das Paradox noch deutlicher zu formulieren: „Denk dir eine Welt, in der es nicht möglich ist, sich eine Welt zu denken!“ Die Begriffe in Einsteins Text – Bewußtsein, Überzeugung, auf eigene Faust, Einsicht, Intelligenz, Wille – sind untrennbar mit unserem kulturellen und gesellschaftlichen Leben verbunden. Wir koordinieren mit ihnen unser Alltagsleben. In einer unvorstellbar verschiedenen Welt haben sie keinen Ort und keinen Sinn.
Ich nehme aber an, daß Einstein all dies ebenso gesehen und sein Beispiel nur als Erläuterung verstanden hat. Er dürfte besser als jeder andere gewußt haben, was ein Experiment ist.
|
Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 11.04.2026 um 04.10 Uhr verfaßt.
|
„Übergewinne“ von Öl- und Gasproduzenten abzuschöpfen gilt plötzlich als „verfassungsrechtlich bedenklich“ (Reiche). Bei der Abschöpfung und -schröpfung der Windmüller war man nicht so zimperlich (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#54291).
Bedenklich, daß die vier großen Ölkonzerne ein Oligopol bilden, gegen das die Politik machtlos ist (sofern sie ihm nicht sogar zuarbeitet).
|
Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 11.04.2026 um 03.56 Uhr verfaßt.
|
Ich hatte damals (vor zehn Jahren) noch etwas dazu formuliert, aber nicht hier eingetragen:
Der Begriff „Denken“ ist ein folkpsychologischer und wahrscheinlich in allen Sprachgemeinschaften zu finden, was darauf hindeuten würde, daß er mit der Sprachlichkeit untrennbar verbunden ist. Anders gesagt: Ein dialogfähiges Wesen wie der Mensch muß wohl unweigerlich darauf kommen, neben dem (realen) Sprechen auch das (konstruierte) Denken zum Gegenstand seiner Rede zu machen. Dagegen sind verwandte Begriffe wie „Bewußtsein“ einzelsprachspezifisch und historisch jung; die Diskussion darüber bleibt unter Philosophen, der normale Mensch weiß nichts damit anzufangen (außer im alltagssprachlichen Sinn: „er ist bei Bewußtsein, er hat das Bewußtsein verloren“ usw.).
Aus zwei Gründen läßt sich „Denken“ nicht wissenschaftlich präzisieren oder rekonstruieren. Der erste Grund ist banal: die Vieldeutigkeit, von der man sich überzeugen kann, wenn man „Denken“ in der deutschen und „Thought“ in der englischen Wikipedia nachschlägt. Dem ließe sich abhelfen, wenn man – ein auch sonst übliches Verfahren – eine bestimmte Verwendungsweise herausgriffe. Der zweite Grund ist eben gerade die Zugehörigkeit zu einem volkstümlichen mentalistischen Begriffsnetz, das grundsätzlich nicht objektiviert und naturwissenschaftlich rekonsturiert werden kann. Denken ist ein sprachliches Konstrukt, also bestenfalls eine möglicherweise nützliche Fiktion.
|
Zurück zur Übersicht | nach oben
|