Sie sehen die neuesten 12 Kommentare
Nach unten
Durch Anklicken des Themas gelangen Sie zu den jeweiligen Kommentaren.
Manfred Riemer zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 15.07.2026 um 19.08 Uhr verfaßt.
|
Kinder ohne Sprache aufzuziehen ist heutzutage wohl wirklich unmöglich, aber es gab eine Zeit, wo man sich nicht anders zu helfen wußte. Es erinnert mich an das Schicksal von Helen Keller, einer unglaublich faszinierenden Frau, die im Alter von anderthalb Jahren durch eine Krankheit ihr Hör- und Sehvermögen verlor und erst mit knapp sieben Jahren taktilen Sprachunterricht bekam (siehe den Wikipedia-Artikel). Wie sie bis dahin lebte und beinahe als psychisches Wrack gescheitert wäre, aber dann durch ihren unbedingten Lernwillen einerseits und die völlig aufopfernde Hilfe ihrer Lehrerin zu einer weltweit berühmten mehrsprachigen Schriftstellerin und Kämpferin für die Belange von Blinden und Tauben wurde, gehört zu den berührendsten Biographien, die ich kenne.
|
Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 15.07.2026 um 15.31 Uhr verfaßt.
|
Eine Dokumentation, die den Sexismus im früheren Fernsehhumor zeigt, wird in der taz besprochen und gelobt („Was haben wir gelacht“). Der „schmierige Alte“ Peter Frankenfeld und danach der Harald Schmidt und der Thomas Gottschalk und nun der Dieter Nuhr. An mir sind die Originale fast unbemerkt vorbeigerauscht, aber ich dachte, das Thema sei schon vor Jahrzehnten erschöpfend bearbeitet worden; Bücher über den sexistischen Witz gibt es ja schon sehr lange. Heute wissen wir, daß man über Geschlecht, Religion, Beruf, Rasse, Behinderung, Krankheit, Tote, überhaupt „Gruppen“ von Menschen keine Witze macht. Eigentlich sind alle Witze offen oder versteckt irgendwie aggressiv und sollten von moralisch verfeinerten Menschen vermieden werden. Jesus hat nie gelacht und – trotz Klaus Berger – keine Witze gemacht.
|
Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 15.07.2026 um 15.27 Uhr verfaßt.
|
Wenn ich mit der jüngsten Enkelin (0;11) spiele, habe ich den Eindruck, daß die Verständigung und Verhaltensabstimmung mit dem Kind auch vor dem ersten Wort schon weit entwickelt ist und es auch ohne Wortsprache so weitergehen könnte. Wenn ich auf eine Öffnung zeige, versucht sie einen Baustein dort hineinzustecken (was noch auf längere Zeit nur einigermaßen gelingt, wenn keine Rotation nötig ist) usw. Dazu das gegenseitige Anblicken, Lächeln usw. Die Wortsprache wird bald in diesen Fluß des abgestimmten Verhaltens eingesetzt werden und ihn ergänzen. Das Experimentum crucis ist natürlich nicht möglich: Kinder ohne Wortsprache aufzuziehen.
|
Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 15.07.2026 um 14.39 Uhr verfaßt.
|
In den Medien findet man jetzt öfter Berichte über Prominente, die darlegen, wie wenig gesetzliche Rente sie bekommen (400 Euro oder so). Meistens fügen sie grinsend an, sie seien anderweitig gut versorgt. Es ist die feinere Version von "Eure Armut kotzt mich an", das wir samt antikem Ursprung früher besprochen haben.
|
Theodor Ickler zu »Abfall für alle«
Dieser Kommentar wurde am 15.07.2026 um 14.33 Uhr verfaßt.
|
Zu den Sätzen „Die Mutter trug den Punsch heiß herein“ und „Die Mutter trug den Punsch fröhlich herein“ heißt es in einem linguistischen Einführungswerk: „Nach heiß fragt man mit ‚als welchen‘ und nach fröhlich mit ‚in welcher Verfassung‘.“ (Rosemarie Lühr: Neuhochdeutsch. München 1986:63)
Niemand fragt so. Außerdem ist die Frage zum zweiten Satz nicht geeignet, Subjekts- und Objektsprädikativ zu unterscheiden.
|
Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 15.07.2026 um 14.31 Uhr verfaßt.
|
Bekanntlich haben die Kommunisten um Merkel herum damals die Pandemie erfunden, um die Leute gefügig zu machen – und die ganze Welt bis in den letzten Winkel Neusseelands ist hinterhergetrottet. Nun gibt es in München eine neue Teufelei: die angebliche „Wasserknappheit“ mit Rasensprengverbot (!). Aber wir Quer- und Nichtdenker lassen uns nichts vormachen! Es gibt ja gar keine Hitze- und Trockenwelle, folglich auch keine Wasserknappheit, sondern nur schöne normale Sommertage.
Der Möchtegerndiktator namens Magyar beseitigt in Ungarn die schöne Orbansche Demokratie. In New York beseitigt der Kommunist Mamdani den Wohlstand. Trump, hilf!
|
Theodor Ickler zu »Wortbildung – ganz entspannt«
Dieser Kommentar wurde am 15.07.2026 um 06.57 Uhr verfaßt.
|
„Ein Problem ist, ob z. B. {komm} in kommt ein freies Morphem ist, weil es dem Imp. komm! entspricht. Da es aber auch Imperative mit dem Allomorph -e wie arbeit-e gibt und in diesem Fall {arbeit}, wie eben bemerkt, ein gebundenes Morphem ist, betrachtet man der Einheitlichkeit wegen auch {komm} als gebundenes Morphem.“ (Rosemarie Lühr: Neuhochdeutsch. München 1986:143)
Zuvor hatte die Verfasserin dargestellt, daß es neben arbeiten zwar auch das freie Morphem Arbeit gibt, daß aber im Verb der Verbalstamm stecke, der daher gebunden sei. Aber das ist eine Petitio principii, denn wenn man sich erst einmal auf die Suche nach irgendwelchen homonymen Formen begibt, ist nicht einzusehen, warum man vor dem Substantiv haltmachen sollte. Natürlich ist komm- als Stamm „gebunden“, aber das nimmt man nicht wegen der Einheitlichkeit an, sondern weil Stämme immer gebunden sind. Ein Konstrukt kann nicht unmittelbar vorgefunden werden. Im Widerspruch zu diesen Ausführungen erkennt Lühr in schiffbar das freie Morphem schiff und identifiziert es ausdrücklich mit dem Substantiv Schiff, obwohl -bar heute nur mit Verbstämmen zusammentritt (144, ebenso 170). schiffbar ist laut DWb seit dem 17. Jahrhundert belegt und sicher vom Verbstamm abgeleitet. Die Erstglieder von Komposita sind bei Lühr frei, wenn es homonyme Wortformen gibt, sonst gebunden (aber innerhalb derselben Kategorie).
Bei Busch/Stenschke ist z. B. spül- in Spülmaschine eine „freies Morphem“, weil es den Imperativ spül! gibt. Bei Donalies werden die Erstglieder von Komposita in paradigmische und unparadigmische eingeteilt, je nachdem, ob sie (d. h. scheinbar gleichlautende Formen) im Formenparadigma vorkommen oder nicht. Gehaltserhöhung wäre demnach von Arbeitsanzug zu unterscheiden, und in Sonnenfinsternis sieht Donalies gar den „paradigmischen“ Teil Sonnen als Erstglied, obwohl es sich nicht um den heutigen Plural, sondern den früheren Genitiv Sg. handelt.
Eisenberg will die Verbzusätze nach der „homonymen freien Form“ klassifizieren. Das ist aber unzulässig, denn mit der „Homonymie“ ist ja zugestanden, daß es sich um andere Wörter handelt. Dann wäre der Zusatz heim ein Substantiv usw., und arm wegen Arm ebenfalls. Ein solches Absuchen des Wortschatzes nach gleichlautenden Formen führt so wenig zu sinnvollen Ergebnissen wie das Absuchen des Formenbestandes nach „paradigmischen“ Parallelen.
|
Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 15.07.2026 um 06.21 Uhr verfaßt.
|
Bei Kronasser gibt es auch ein Kapitel über den "Konkretismus", der besonders in den Sprachen der Naturvölker auffiel und viel besprochen wurde (Jespersen, Kainz usw.). Philosophen, die sich ausdenken, wie die Sprache entstanden sein könnte, stellen sich gern vor, daß unsere Vorfahren nur wenige Wörter mit sehr abstrakten Bedeutungen hatten. Sprachwissenschaftler hingegen kennen ganz im Gegenteil den Hyperkonkretismus der Primitiven, denen dafür abstrakte Begriffe völlig fehlten.
|
Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 15.07.2026 um 06.06 Uhr verfaßt.
|
Am Mittwoch titelt die Zeitung noch "Trump fordert Hormus-Maut"; während die Deutschlandausgabe gedruckt wurde, hatte Trump seine Forderung schon wieder zurückgezogen. Ein Sinnbild für die Weltpolitik im Zeichen der Kopflosigkeit eines einzigen Mannes.
Außenminister Rubio hatte kürzlich noch erklärt, für internationale Wasserstraßen dürften keine Gebühren erhoben werden, und steht nun fast so lächerlich herum wie Vance.
|
Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 14.07.2026 um 19.24 Uhr verfaßt.
|
"Kliniksterben" klingt bedrohlich, und so ist es auch gemeint. In Wirklichkeit hat Deutschland eine viel höhere Klinikdichte als der europäische Durchschnitt und dreimal so viele Betten wie Dänemark, aber kein besseres Gesundheitswesen. Das ist ein allgemein bekannter Mißstand, aber wenn etwas dagegen getan werden soll, erhebt sich ein großes Wehklagen. Besitzstände und reine Polemik gemischt.
|
Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 14.07.2026 um 18.28 Uhr verfaßt.
|
„Freilich ist das Sprechen gegenüber dem Hören das Primäre...“ (Kronasser: Hb. der Semasiologie S. 72)
Die Sprachepisode beginnt mit dem Sprechen, aber genetisch ist das Hören primär, genauer gesagt: die Reaktion des Hörers, die aus der Aktivität des Sprechers überhaupt erst ein Sprechen macht.
„There must be a listener before there can be a speaker. The same seems to be true of the signaling behavior of other species. Something one animal does (making a noise, moving in a given way, leaving a trace) becomes a signal only when another animal responds to it.” (B. F. Skinner: Recent issues in the analysis of behavior. Columbus 1989:36)
An einer späteren Stelle sagt Kronasser selbst: „Eine physische Erscheinung wird ja erst dadurch zum Ausdruck, daß sie in einem anderen Individuum einen Eindruck hervorruft.“ (S. 96)
|
Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 14.07.2026 um 17.55 Uhr verfaßt.
|
Trump will 20 Prozent vom Warenwert als Zoll für die Hormus-Passage – die er gar nicht unter Kontrolle hat. Warum nicht gleich eine Kurtaxe auf dem Mond? Wer zahlt diesen Zoll? Selbst wenn es anders wäre, müßte man sich über solches Raubrittertum wundern. In anderen Teilen der Welt, wo man nichts zu suchen hat, mit Gewaltandrohungen einen Seeweg gebührenpflichtig machen, das ist schon ein dreistes Stückchen. Dem Iran wird der Spott leicht gemacht.
„Die UN-Schifffahrtsorganisation IMO kritisierte die Pläne Trumps. Für eine Frachtgebühr gebe es keine rechtliche Grundlage, teilte die Organisation mit. Passagegebühren für internationale Meerengen würden strikt abgelehnt. Vertreter der Schifffahrtsbranche äußerten sich besorgt und erklärten, ein solcher Schritt verstoße nach ihrer Einschätzung gegen Völkerrecht.“
Einige Stunden später:
„Überraschende Kehrtwende von US-Präsident Donald Trump im Iran-Krieg: Einen Tag nach Verkündung einer 20-prozentigen US-Gebühr für Schiffsfracht in der Straße von Hormus lässt Trump den Plan wieder fallen.“
Wieso überraschend? Das macht er doch immer – und will nun stattdessen einen großartigen Deal gemacht haben, der sicher ebenso imaginär ist wie seine anderen Großtaten.
|
Zurück zur Übersicht | nach oben
|